In der Schweiz gibt es nicht die eine Deutschprüfung für alle. Das Niveau hängt davon ab, was Sie beantragen: eine Aufenthaltsbewilligung im Familiennachzug, die Niederlassungsbewilligung oder den Schweizer Pass. Zudem wird mündlich und schriftlich getrennt bewertet. Hier sehen Sie, welche Stufe Sie brauchen, welche Zertifikate das Staatssekretariat für Migration (SEM) anerkennt und wie Sie sich vorbereiten.
Je Bewilligung ein eigenes Niveau: A1 mündlich für die B-Bewilligung im Familiennachzug, A2 mündlich/A1 schriftlich für die C-Bewilligung, B1 mündlich/A2 schriftlich für die Einbürgerung. Die SEM-Liste nennt Goethe A1–C2, telc A1–B2 und telc C1 Hochschule.
Quelle: sem.admin.ch ·
Im Schweizer Behördendeutsch heißt der Aufenthaltstitel „Bewilligung“. Die Aufenthaltsbewilligung ist der Ausweis B, die Niederlassungsbewilligung – das dauerhafte Aufenthaltsrecht – der Ausweis C. Für jeden Schritt gilt eine eigene Sprachstufe, und zwar getrennt nach mündlichen und schriftlichen Kenntnissen:
| Antrag | Mündlich | Schriftlich |
|---|---|---|
| Aufenthaltsbewilligung B im Familiennachzug | A1 | – (nur mündlich gefordert) |
| Niederlassungsbewilligung C | A2 | A1 |
| Einbürgerung (Schweizer Bürgerrecht) | B1 | A2 |
Auffällig ist das Gefälle: Sprechen und Verstehen wird immer eine Stufe höher verlangt als Lesen und Schreiben. Wer im Alltag gut zurechtkommt, aber selten schreibt, muss also vor allem die schriftliche Hürde im Blick behalten – und umgekehrt. Zuständig für Ihren Antrag ist nicht das SEM selbst, sondern die Migrations- oder Einbürgerungsbehörde Ihres Kantons oder Ihrer Gemeinde. Fragen Sie dort nach, bevor Sie eine Prüfung buchen.
Ein Zertifikat zeigt oft mehrere Teilergebnisse. Das SEM gibt den Behörden deshalb Leitlinien, wie daraus die beiden Niveaus abgeleitet werden. Die wichtigsten Punkte:
Als mündliches Niveau zählt, was Sie im mündlichen Teil beziehungsweise im Teil „Sprechen“ erreicht haben.
Stehen für Lesen und Schreiben verschiedene Niveaus auf dem Zertifikat, gilt das tiefere. Liegen sie weit auseinander, etwa B1 im Lesen und A1 im Schreiben, gilt das mittlere – hier also A2.
Haben Sie eine Prüfung insgesamt nicht bestanden, aber im mündlichen oder schriftlichen Teil ein genügendes Ergebnis erzielt, kann dieser Teil anerkannt werden. Ergebnisse aus verschiedenen anerkannten Zertifikaten dürfen kombiniert werden.
Ein festes Ablaufdatum nennt die Liste nicht. Liegt die Prüfung aber lange zurück und zweifelt die Behörde an Ihrem heutigen Niveau, kann sie einen neuen Nachweis verlangen.
Anerkannt wird nur, was auf der „Liste der anerkannten Sprachzertifikate“ des SEM steht. Die aktuelle Ausgabe ist vom 1. Juli 2026; die Liste wird alle drei Monate überarbeitet, die nächste Aktualisierung ist für den 1. Oktober 2026 angekündigt. Aufgenommen werden Prüfungen mit dem Qualitätslabel „Q-Mark“ des europäischen Prüferverbands ALTE oder solche, die dieses Label gerade anstreben. Für Deutsch sind das unter anderem:
Alle Goethe-Zertifikate von „Start Deutsch 1“ bis zum Großen Deutschen Sprachdiplom (C2), jeweils mündlich und schriftlich anerkannt.
telc Deutsch A1, A2, B1 und B2 sowie telc Deutsch C1 Hochschule. Ein allgemeines telc C1 nennt die Liste nicht.
Das Österreichische Sprachdiplom (A1 bis C1), die ECL-Prüfung (A2 bis C1) und TestDaF (B2 bis C1) gelten ebenfalls.
Dazu kommen Schweizer Nachweise wie der fide-Test, der digitale Sprachtest SDS und der kantonale Deutschtest des Kantons Zürich für Einbürgerungen – teils nur vorläufig anerkannt.
Wichtig für den Zeitpunkt: Ein Zertifikat gilt als anerkannt, wenn es an dem Tag auf der Liste stand, an dem Ihr Gesuch bei der Behörde eingegangen ist. Prüfen Sie die aktuelle Ausgabe also kurz vor der Anmeldung zur Prüfung und noch einmal vor dem Einreichen.
Der fide-Test ist die Schweizer Alternative. Er wurde im Auftrag des SEM eigens für Aufenthalts- und Niederlassungsbewilligung und Einbürgerung entwickelt, prüft alltagsnahes Deutsch – ebenso Französisch oder Italienisch – auf den Stufen A1 bis B1 und wird an anerkannten Prüfungszentren in der ganzen Schweiz abgelegt.
Die Gebühren legt jede Stelle selbst fest – schauen Sie in die aktuelle Preisliste des Prüfungszentrums.
Welche Prüfung Sie wählen, richtet sich nach dem höchsten Niveau, das Ihr Antrag verlangt. So sehen die drei Stufen bei Goethe und telc aus:
Goethe A1 (Start Deutsch 1): Hören, Lesen, Schreiben und Sprechen in der Gruppe, bestanden ab 60 von 100 Punkten. telc Deutsch A1 wird auf 60 Rohpunkten bewertet, mündlich ebenfalls in der Gruppe. Beide Prüfungen sind nicht modular.
Goethe A2: je vier Teile Lesen und Hören, zwei Schreibaufgaben (SMS und E-Mail), Sprechen zu zweit; bestanden ab 60 von 100 Punkten. telc Deutsch A2 prüft mündlich ebenfalls als Paar. Mit A2 decken Sie mündlich A2 und schriftlich A1 in einem Zug ab.
Goethe B1 ist modular: Lesen, Hören, Schreiben und Sprechen werden einzeln mit 60 von 100 Punkten bestanden. telc Deutsch B1 ist eine Gesamtprüfung; der schriftliche und der mündliche Teil müssen jeweils zu 60 Prozent bestanden sein.
Für die Einbürgerung genügt schriftlich A2. Weil die Behörde Teilergebnisse anerkennen und Ergebnisbögen aus verschiedenen anerkannten Zertifikaten kombinieren kann, kann ein bestandenes Goethe-Modul „Sprechen“ auf B1 für die mündliche Seite zählen. Für die schriftliche Seite brauchen Sie dann einen anerkannten Nachweis auf mindestens A2. Klären Sie eine solche Kombination vorab mit Ihrer Gemeinde oder Ihrem Kanton, denn dort wird entschieden.
Klären Sie, welchen Antrag Sie als Nächstes stellen, und notieren Sie das mündliche und das schriftliche Niveau aus der Tabelle oben.
Vergewissern Sie sich, dass die gewählte Prüfung in der aktuellen Ausgabe der SEM-Liste steht.
Lösen Sie Modelltests unter Zeitdruck. Wer die Aufgabentypen kennt, verliert in der Prüfung keine Minuten mit dem Lesen der Anleitung.
Da mündlich immer die höhere Stufe gilt, lohnt sich tägliches Sprechen – im Kurs, im Verein oder mit Nachbarn.
Für die Niederlassungsbewilligung (Ausweis C) verlangt die Schweiz mündlich A2 und schriftlich A1. Ein bestandenes Goethe-Zertifikat A2 oder telc Deutsch A2 deckt beides ab.
Für das Schweizer Bürgerrecht brauchen Sie mündlich B1 und schriftlich A2. Zuständig für die Prüfung Ihres Gesuchs sind Gemeinde und Kanton; fragen Sie dort nach, bevor Sie eine Prüfung buchen.
Für die Aufenthaltsbewilligung B im Familiennachzug wird mündlich A1 verlangt. Ein Goethe-Zertifikat A1 oder telc Deutsch A1 steht auf der SEM-Liste und kann schon vor der Einreise abgelegt werden.
Die SEM-Liste nennt telc Deutsch A1 bis B2 sowie telc Deutsch C1 Hochschule. Ein allgemeines telc C1 steht nicht darauf. Für Bewilligung und Einbürgerung reicht ohnehin ein tieferes Niveau.
fide ist ein Schweizer Test, den das SEM eigens für Bewilligungen und Einbürgerung entwickeln ließ. Er prüft alltagsnahes Deutsch von A1 bis B1 in einem mündlichen und einem schriftlichen Teil. Goethe und telc stehen ebenfalls auf der Liste – anders als fide, das bisher nur vorläufig anerkannt ist –, sind international bekannt und auch außerhalb der Schweiz ablegbar.
Die SEM-Liste nennt keine feste Frist. Liegt die Prüfung aber lange zurück und hat die Behörde Zweifel an Ihrem heutigen Niveau, kann sie einen neuen Nachweis verlangen. Entscheidend ist außerdem, dass das Zertifikat am Tag des Gesuchseingangs auf der Liste stand.
Ja. Nach den Leitlinien des SEM kann ein bestandener mündlicher oder schriftlicher Teil auch dann anerkannt werden, wenn die Prüfung insgesamt nicht bestanden wurde, und Ergebnisse aus verschiedenen anerkannten Zertifikaten dürfen kombiniert werden. Die Entscheidung trifft die zuständige Behörde.