Goethe B2 Sprechen
Vortrag, Diskussion und Redemittel
Zwei Teile, rund 15 Minuten und 60 von 100 Punkten zum Bestehen. Hier erfährst du, wie Vortrag und Diskussion ablaufen, welche drei Punkte jeder Vortrag abdecken muss, mit welchen Redemitteln du sicher durch beide Teile kommst und wie sich die Punkte verteilen – einschließlich der Aussprache, die für das ganze Modul nur einmal zählt.
B2 Sprechen auf einen Blick
Bevor es losgeht, hast du 15 Minuten Zeit, dich allein vorzubereiten. Du bekommst dein Aufgabenblatt und darfst dir Notizen machen. In der Prüfung selbst sollst du dann frei sprechen – deine Notizen sind eine Gedächtnisstütze, kein Manuskript. Wörterbücher, Handys und andere Hilfsmittel sind nicht erlaubt.
In der Regel legst du das Modul zu zweit ab, als Paarprüfung. Es gibt aber auch eine Einzelprüfung, und die Vorbereitungszeit ist in beiden Fällen gleich: 15 Minuten. Bei der Paarprüfung bekommen die beiden Teilnehmenden unterschiedliche Aufgabenblätter. Die Themen für den Vortrag in Teil 1 sind verschieden, die Frage für die Diskussion in Teil 2 ist dagegen dieselbe – nur so könnt ihr darüber miteinander diskutieren.
Die Tabelle zeigt, wie sich Zeit und Punkte verteilen. Teil 1 ist mit 44 Punkten der größere Brocken, Teil 2 bringt 40. Die Aussprache gehört zu keinem der beiden Teile allein: Sie wird einmal bewertet, und zwar über alles, was du im ganzen Modul sagst.
| Teil | Was du machst | Zeit | Punkte |
|---|---|---|---|
| Teil 1 | Einen kurzen Vortrag zu einem von zwei Themen halten, danach Fragen beantworten | ca. 4 Min. pro Person | 44 |
| Teil 2 | Mit dem Gegenüber über eine kontroverse Frage diskutieren | ca. 5 Min. | 40 |
| Teil 1 + 2 | Aussprache, einmal für beide Teile zusammen bewertet | — | 16 |
Teil 1: Vortrag halten (ca. 4 Minuten)
Auf deinem Aufgabenblatt stehen zwei Themen, und du wählst eines davon aus. Zu jedem Thema gibt es nur einen Titel und drei Punkte – keinen Text, keine Grafik, keine Zahlen. Du sprichst also aus deinem eigenen Wissen und deiner eigenen Erfahrung heraus. Das klingt zunächst offen, hat aber einen Vorteil: Es gibt keine Vorlage, deren Inhalt du korrekt wiedergeben musst – du baust den Vortrag aus dem, was du selbst weißt.
Die drei Punkte haben immer dieselben drei Aufgaben, auch wenn die Themen wechseln: Du beschreibst mehrere Möglichkeiten oder Formen, du gehst auf eine davon genauer ein, und du nennst Vor- und Nachteile und bewertest sie. In welcher Reihenfolge die drei Punkte auf dem Blatt stehen, ändert sich allerdings von Thema zu Thema. Lies sie in der Vorbereitung deshalb genau und ordne deine Notizen danach.
Ausdrücklich verlangt ist ein klarer Aufbau mit Einleitung, Hauptteil und Schluss. In der Einleitung sagst du, worum es geht und in welcher Reihenfolge du vorgehst. Im Hauptteil arbeitest du die drei Punkte ab. Im Schluss fasst du in ein, zwei Sätzen zusammen und gibst deine Einschätzung. Die Kohärenz wird in diesem Teil eigens bewertet – Übergänge wie „zuerst“, „danach“ und „zum Schluss“ sind deshalb mehr als Dekoration.
Nach deinem Vortrag stellt dir deine Gesprächspartnerin oder dein Gesprächspartner Fragen, und du antwortest. Danach wechselt ihr die Rollen: Du hörst zu und fragst. Das Fragen und Antworten bringt bis zu 12 der 44 Punkte in diesem Teil. Eine direkte Antwort mit Begründung oder Beispiel ist also genauso wichtig wie der Vortrag selbst.
Für die Vorbereitung bedeutet das: Schreib zu jedem der drei Punkte zwei, drei Stichwörter auf, dazu einen Einstiegssatz und einen Schlusssatz. Ganze Sätze verführen zum Ablesen. Mit Stichwörtern sprichst du frei und hast trotzdem einen roten Faden durch die vier Minuten.
Vier Minuten sind schneller vorbei, als man denkt. Eine grobe Einteilung hilft: eine knappe halbe Minute für die Einleitung, je etwa eine Minute für die drei Punkte und eine halbe Minute für den Schluss. Wenn du beim Üben merkst, dass der erste Punkt schon zwei Minuten frisst, kürze dort – der Punkt mit den Vor- und Nachteilen und deiner Bewertung braucht genug Raum, denn hier zeigst du, dass du begründet Stellung nehmen kannst.
Redemittel für Teil 1
Mit diesen Wendungen eröffnest du den Vortrag, führst durch die drei Punkte, kommst zu einem sauberen Schluss und reagierst auf Fragen. Lerne aus jeder Gruppe zwei oder drei auswendig, damit sie dir in der Prüfung ohne Nachdenken einfallen.
Den Vortrag eröffnen
- In meinem Vortrag geht es um …
- Zuerst stelle ich … vor, danach …, und zum Schluss …
- Ich habe das Thema gewählt, weil …
Möglichkeiten, Vertiefung, Vor- und Nachteile
- Es gibt verschiedene Möglichkeiten, zum Beispiel …
- Genauer möchte ich auf … eingehen.
- Einerseits …, andererseits …
- Ein klarer Vorteil ist …, ein Nachteil dagegen …
Den Vortrag abschließen
- Zusammenfassend lässt sich sagen, dass …
- Meiner Einschätzung nach überwiegen …
- Vielen Dank fürs Zuhören. Haben Sie Fragen?
Fragen beantworten
- Das ist eine gute Frage. Ich denke, …
- Darauf bin ich vorhin kurz eingegangen: …
- Da bin ich mir nicht ganz sicher, aber …
Teil 2: Diskussion führen (ca. 5 Minuten)
In Teil 2 bekommt ihr beide dieselbe kontroverse Frage, dazu vier Stichpunkte, die ihr nutzen könnt, aber nicht müsst. Rund fünf Minuten lang tauscht ihr eure Standpunkte aus: Du sagst, was du denkst und warum, gehst auf die Argumente deines Gegenübers ein und machst deutlich, wo ihr einer Meinung seid und wo nicht.
Bewertet werden hier die Erfüllung der Aufgabe, die Interaktion, der Wortschatz und die Strukturen. Interaktion heißt: ein echtes Gespräch, kein Nebeneinander. Greif auf, was die andere Person gesagt hat, frag nach, wenn dir etwas unklar ist, stimm zu oder widersprich – und begründe beides. Wer nur seine vorbereiteten Argumente nacheinander aufsagt, führt keine Diskussion, sondern zwei kleine Monologe.
Die Aufgabe heißt „Standpunkte austauschen“ – ihr müsst euch am Ende also nicht einigen. Eine kurze Zusammenfassung, wo ihr übereinstimmt und wo ihr unterschiedlicher Meinung bleibt, gibt der Diskussion trotzdem einen klaren Abschluss.
Die vier Stichpunkte sind eine Hilfe für den Fall, dass dir die Argumente ausgehen. Sieh sie dir in der Vorbereitung an und notiere zu zwei oder drei davon je ein Argument dafür und eins dagegen. So kannst du flexibel reagieren, egal welche Position dein Gegenüber einnimmt.
Ein guter Einstieg ist ein klarer Satz zu deiner Position mit einem ersten Argument. Danach gibst du das Wort bewusst weiter, etwa mit einer Frage: „Wie siehst du das?“ Achte darauf, dass beide ungefähr gleich viel Raum bekommen. Wer das Gespräch an sich reißt, lässt dem Gegenüber keine Gelegenheit zu reagieren – und ohne Reaktion gibt es keinen Austausch.
Redemittel für Teil 2
Diese Sätze helfen dir, Stellung zu beziehen, auf dein Gegenüber einzugehen und die Diskussion abzurunden. Gerade die Nachfragen und Reaktionen machen aus zwei Meinungen ein Gespräch.
Stellung beziehen
- Ich bin der Ansicht, dass …
- Für mich spricht vor allem … dafür.
- Ich sehe das etwas anders, weil …
Auf das Gegenüber reagieren
- Da stimme ich dir zu, aber …
- Das ist ein wichtiger Punkt. Trotzdem …
- Wie meinst du das genau?
- Was hältst du von dem Argument, dass …?
Die Diskussion abrunden
- Wir sind uns also einig, dass …
- In diesem Punkt bleiben wir unterschiedlicher Meinung.
- Ein Kompromiss könnte sein, dass …
So werden die 100 Punkte vergeben
Jedes Kriterium wird in fünf Stufen von A bis E bewertet, und jede Stufe hat einen festen Punktwert. Teil 1 bringt bis zu 44 Punkte: Aufgabenerfüllung, Kohärenz, Wortschatz und Strukturen mit je 8 Punkten, dazu die Fragen und Antworten mit bis zu 12. Teil 2 bringt bis zu 40 Punkte: Aufgabenerfüllung, Interaktion, Wortschatz und Strukturen mit je 10.
Die Aussprache kommt mit bis zu 16 Punkten dazu – einmal, für beide Teile zusammen, nicht pro Teil. 44 + 40 + 16 ergibt 100. Bestanden hast du mit 60 Punkten. Jedes B2-Modul wird für sich bewertet und für sich bestanden; dein Ergebnis im Sprechen hängt also nicht davon ab, wie das Lesen oder Schreiben gelaufen ist.
Eine Regel solltest du kennen: Wird die Aufgabenerfüllung eines Teils mit E bewertet, bekommt dieser Teil insgesamt null Punkte – egal wie gut dein Deutsch dabei war. Lies die Aufgabenstellung in der Vorbereitung deshalb genau und prüfe, ob deine Notizen jeden verlangten Punkt abdecken.
| Teil | Kriterium | A | B | C | D | E |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Aufgabenerfüllung | 8 | 6 | 4 | 2 | 0 |
| 1 | Kohärenz | 8 | 6 | 4 | 2 | 0 |
| 1 | Wortschatz | 8 | 6 | 4 | 2 | 0 |
| 1 | Strukturen | 8 | 6 | 4 | 2 | 0 |
| 1 | Fragen/Antworten | 12 | 9 | 6 | 3 | 0 |
| 2 | Aufgabenerfüllung | 10 | 7.5 | 5 | 2.5 | 0 |
| 2 | Interaktion | 10 | 7.5 | 5 | 2.5 | 0 |
| 2 | Wortschatz | 10 | 7.5 | 5 | 2.5 | 0 |
| 2 | Strukturen | 10 | 7.5 | 5 | 2.5 | 0 |
| 1 + 2 | Aussprache | 16 | 12 | 8 | 4 | 0 |
| Gesamt | 100 | |||||
Sechs Fehler, die Punkte kosten
Nicht jeder Punktverlust hat mit Grammatik zu tun. Oft geht es darum, ob du die Aufgabe vollständig erfüllst und wirklich mit deinem Gegenüber sprichst. Diese sechs Stolperfallen kannst du mit etwas Übung vermeiden.
Ein Vortrag ohne Rahmen
Teil 1 verlangt Einleitung, Hauptteil und Schluss. Sag am Anfang, worüber du sprichst und in welcher Reihenfolge, arbeite das dann ab und schließ mit einer kurzen Zusammenfassung. Die Kohärenz wird eigens bewertet.
Einen der drei Punkte auslassen
Zu jedem Thema gehören drei Punkte: mehrere Möglichkeiten oder Formen, eine davon genauer, Vor- und Nachteile mit deiner Bewertung. Die Reihenfolge auf dem Blatt wechselt – behandle trotzdem alle drei.
Die Fragen als Nebensache sehen
Fragen und Antworten nach dem Vortrag bringen bis zu 12 der 44 Punkte in Teil 1. Antworte direkt auf die Frage und schieb eine Begründung oder ein Beispiel nach.
Zwei Monologe in Teil 2
Die Diskussion wird auch nach Interaktion bewertet. Reagiere auf das, was dein Gegenüber sagt, frag nach, stimm zu oder widersprich mit Begründung – und bring das Gespräch dann weiter.
Notizen vorlesen
In den 15 Minuten Vorbereitung darfst du dir Notizen machen, in der Prüfung sollst du aber frei sprechen. Stichwörter helfen dir, ganze Sätze verleiten zum Ablesen.
Die Aussprache unterschätzen
Die Aussprache bringt 16 von 100 Punkten und wird einmal über beide Teile bewertet. Ein ruhiges Tempo mit klarem Wortakzent ist mehr wert als Geschwindigkeit.
So übst du für das B2 Sprechen
Fang mit dem offiziellen Material an: Das Goethe-Institut veröffentlicht auf seiner Website einen Modellsatz für das Goethe-Zertifikat B2, der auch die Sprechaufgaben enthält. Nimm dir eines der Themen vor, bereite es in 15 Minuten nur mit Stichwörtern vor und halte den Vortrag dann mit Stoppuhr vor einer Freundin oder einem Freund.
Übe den Rahmen des Vortrags, bis er sitzt: ein Einstiegssatz, der den Aufbau ankündigt, die drei Punkte, ein Satz zum Schluss. Such dir dafür ganz verschiedene Alltagsthemen – Wohnen, Arbeit, Freizeit, Medien, Reisen – und formuliere zu jedem selbst die drei Punkte: mehrere Möglichkeiten, eine davon genauer, Vor- und Nachteile. Je öfter du die Struktur mit neuen Inhalten füllst, desto weniger musst du in der Prüfung über den Aufbau nachdenken.
Lass dir nach jedem Probevortrag zwei, drei Fragen stellen und beantworte sie spontan. Gewöhn dir dabei das Muster „Antwort – Begründung – Beispiel“ an. So bleiben deine Antworten kurz und trotzdem vollständig.
Für die Diskussion nimmst du eine beliebige Streitfrage aus dem Alltag und diskutierst sie fünf Minuten lang mit einer Partnerin oder einem Partner. Tauscht danach einmal die Seiten: Wer eben dafür war, argumentiert jetzt dagegen. Das trainiert genau das, was in Teil 2 zählt – auf Argumente reagieren, statt nur eigene vorzutragen.
Nimm dich ab und zu mit dem Handy auf und hör dir die Aufnahme an. Achte auf Satzmelodie und Wortakzent; dort entscheidet sich ein Teil der 16 Punkte für die Aussprache. Beim Zuhören fällt dir manches auf, was du beim Sprechen selbst nicht bemerkst.
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Wie lange dauert das Goethe B2 Sprechen?
Etwa 15 Minuten, davor hast du 15 Minuten Zeit, dich allein vorzubereiten. In Teil 1 spricht jede Person rund 4 Minuten und beantwortet danach Fragen; Teil 2 ist eine Diskussion von etwa 5 Minuten.
Mache ich die B2-Sprechprüfung mit einem Partner?
In der Regel ja: Das Modul ist eine Paarprüfung, und in Teil 2 diskutiert ihr miteinander. Es gibt aber auch eine Einzelprüfung. Die Vorbereitungszeit beträgt in beiden Fällen 15 Minuten.
Gibt es in Teil 1 einen Text oder eine Grafik?
Nein. Du wählst eines von zwei Themen, und zu jedem gibt es nur einen Titel und drei Punkte – keinen Artikel, keine Grafik, keine Zahlen. Du sprichst aus deinem eigenen Wissen und deiner Erfahrung.
Wie viele Punkte brauche ich, um B2 Sprechen zu bestehen?
Das Modul wird mit 100 Punkten bewertet, bestanden hast du ab 60 Punkten. Teil 1 bringt bis zu 44 Punkte, Teil 2 bis zu 40 und die Aussprache über beide Teile bis zu 16. Jedes B2-Modul wird für sich bestanden.
Diskutieren beide in Teil 2 über dieselbe Frage?
Ja. Für den Vortrag in Teil 1 bekommt ihr unterschiedliche Themen, für die Diskussion aber dieselbe Frage – dazu vier Stichpunkte, die ihr nutzen könnt, aber nicht müsst.
Was passiert, wenn ich die Aufgabe nicht erfülle?
Wird die Aufgabenerfüllung eines Teils mit E (0 Punkte) bewertet, bekommt der ganze Teil null Punkte – ganz gleich, wie gut der Rest war.
Darf ich ein Wörterbuch oder mein Handy benutzen?
Nein. Wörterbücher, Handys und andere Hilfsmittel sind im Modul Sprechen nicht erlaubt. Notizen darfst du dir in der Vorbereitung machen; in der Prüfung sollst du frei sprechen.