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Chancenkarte zur Arbeitssuche

Chancenkarte und Deutsch
Welches Niveau bringt wie viele Punkte?

Mit der Chancenkarte dürfen Sie bis zu einem Jahr in Deutschland leben und sich vor Ort eine Arbeit suchen. Die Hürde beim Deutsch ist niedrig: Niveau A1 reicht als Einstieg, alternativ Englisch B2. Wer mehr Deutsch nachweist, sammelt aber Punkte – und genau die entscheiden, ob Ihr Antrag durchgeht. Hier sehen Sie, wie das Punktesystem funktioniert und mit welchem Zertifikat Sie Ihr Niveau belegen.

A1Deutsch als Mindestvoraussetzung
6Punkte mindestens
3Punkte für Deutsch ab B2
1 JahrHöchstdauer der ersten Karte

Welches Zertifikat brauchen Sie dafür?

Anerkannte Zertifikate

Für die Chancenkarte brauchen Sie Deutsch A1 (oder Englisch B2) als Einstieg und mindestens 6 Punkte. Deutsch bringt 1 Punkt ab A2, 2 Punkte ab B1 und 3 Punkte ab B2.

NiveauA1+

Quelle: arbeitsagentur.de ·

Zwei Wege zur Chancenkarte – und wo Ihr Deutsch zählt

Die Chancenkarte ist ein Aufenthaltstitel für Menschen aus Ländern außerhalb der EU (im Behördendeutsch „Drittstaatsangehörige“), die in Deutschland eine Arbeit suchen wollen, ohne schon einen Arbeitsvertrag zu haben. Die erste Karte gilt für bis zu einem Jahr. Es gibt dafür zwei Wege, und nur auf einem davon spielt Ihr Sprachniveau eine größere Rolle.

Weg 1: Sie sind bereits anerkannte Fachkraft. Wurde Ihr Berufs- oder Hochschulabschluss in Deutschland voll anerkannt, bekommen Sie die Chancenkarte ohne zusätzliche Voraussetzungen. Punkte müssen Sie dann nicht sammeln.

Weg 2: das Punktesystem. Alle anderen brauchen zunächst eine Grundvoraussetzung beim Thema Sprache: Deutschkenntnisse mindestens auf Niveau A1 oder Englischkenntnisse mindestens auf Niveau B2. Dazu kommt eine Berufsqualifikation: eine Berufsausbildung von mindestens zwei Jahren oder ein Hochschulabschluss, jeweils im Land des Erwerbs staatlich anerkannt. Erst danach wird gezählt: Sie brauchen mindestens sechs Punkte.

Das ist der Punkt, an dem viele Bewerberinnen und Bewerber Spielraum verschenken. A1 öffnet nur die Tür, bringt aber selbst keinen Punkt. Punkte gibt es erst ab A2 – und mit jedem weiteren Niveau mehr. Ein besseres Zertifikat kann also genau der Punkt sein, der Ihnen noch fehlt.

Das Punktesystem im Überblick

KriteriumPunkte
Deutsch A1 (Grundvoraussetzung)0
Deutsch A21
Deutsch B12
Deutsch B2 oder höher3
Englisch C11
Teilweise Anerkennung des Abschlusses in Deutschland4
Berufserfahrung: mindestens 5 Jahre / mindestens 2 Jahre3 / 2
Beruf mit Fachkräftemangel1
Alter: unter 35 / unter 40 Jahre2 / 1
Frühere Aufenthalte in Deutschland von mindestens 6 Monaten1
Ehe- oder Lebenspartner beantragt die Chancenkarte mit1

Quelle: Bundesagentur für Arbeit (ZAV), Newsletter 02/2026 zur Chancenkarte. Mindestens sechs Punkte sind nötig. Wie Ihre Unterlagen im Einzelnen bewertet werden, entscheidet die zuständige Behörde.

Rechenbeispiel: Wann das Deutschzertifikat den Ausschlag gibt

Nehmen wir eine Bewerberin, 31 Jahre alt, mit drei Jahren Berufserfahrung und einem im Herkunftsland anerkannten Abschluss. Ihr Abschluss ist in Deutschland nicht teilweise anerkannt, sie war noch nie länger in Deutschland und reist allein.

Mit Deutsch A1

Alter unter 35: 2 Punkte. Mindestens zwei Jahre Berufserfahrung: 2 Punkte. Deutsch A1: 0 Punkte. Zusammen 4 Punkte – das reicht nicht.

Mit Deutsch A2

Dieselbe Person mit einem A2-Zertifikat kommt auf 5 Punkte. Es fehlt immer noch ein Punkt, etwa durch Englisch C1 oder einen Beruf mit Fachkräftemangel.

Mit Deutsch B1

Mit B1 bringt Deutsch 2 Punkte. Zusammen sind das 6 Punkte – die Mindestpunktzahl ist erreicht, ohne dass weitere Kriterien nötig sind.

Rechnen Sie Ihre eigene Summe ehrlich nach, bevor Sie sich für ein Prüfungsniveau entscheiden. Beim Alter und bei der Berufserfahrung können Sie wenig ändern, beim Deutsch schon. Wer knapp unter sechs Punkten liegt, gewinnt mit einer Stufe mehr Deutsch oft genau den fehlenden Punkt – und hat für die Arbeitssuche vor Ort ohnehin einen Vorteil.

Das passende Zertifikat: Goethe oder telc

Ihr Deutsch belegen Sie mit einem Sprachzertifikat. Verbreitet und in Deutschland bekannt sind das Goethe-Zertifikat und telc Deutsch, beide gibt es auf allen hier relevanten Stufen von A1 bis B2. Welche Nachweise Ihre Auslandsvertretung konkret annimmt, steht auf deren Checkliste – schauen Sie dort nach, bevor Sie sich anmelden.

A1 und A2: eine Prüfung am Stück

  • Goethe A1 und A2 sind nicht modular: Es zählt das Gesamtergebnis, bestanden ab 60 von 100 Punkten.
  • Goethe A1 prüft Hören, Lesen, Schreiben und Sprechen; das Sprechen findet in einer Gruppe statt.
  • telc Deutsch A1 und A2 sind ebenfalls nicht modular und enthalten keine Sprachbausteine.

B1 und B2: modular oder als Ganzes

  • Goethe B1 und B2 bestehen aus vier Modulen; jedes ist mit mindestens 60 von 100 Punkten bestanden.
  • Ein nicht bestandenes Goethe-Modul können Sie einzeln wiederholen.
  • Bei telc Deutsch B1 und B2 brauchen Sie 60 % im schriftlichen und 60 % im mündlichen Teil, getrennt gewertet.

Die Prüfungsgebühren legt jedes Goethe-Institut und jedes telc-Prüfungszentrum selbst fest. Schauen Sie in die Preisliste des Zentrums, bei dem Sie sich anmelden wollen.

Mit der Chancenkarte in Deutschland: was erlaubt ist

Nebenbei arbeiten

Während der Suche dürfen Sie in Teilzeit arbeiten, im Durchschnitt höchstens 20 Stunden pro Woche.

Probearbeiten

Probebeschäftigungen bei möglichen Arbeitgebern sind erlaubt, jeweils für höchstens zwei Wochen.

Lebensunterhalt sichern

Sie müssen nachweisen, dass Sie sich selbst finanzieren können – im Jahr 2026 mit 1.091 Euro pro Monat, zum Beispiel über ein Sperrkonto oder eine Verpflichtungserklärung.

Finden Sie eine qualifizierte Beschäftigung, kann die Chancenkarte als Folge-Chancenkarte um bis zu zwei Jahre verlängert werden. Spätestens im Arbeitsalltag zeigt sich dann, dass Deutsch mehr ist als ein Punkt im Antrag: Vorstellungsgespräche, Behördentermine und der Mietvertrag laufen fast immer auf Deutsch.

Wie weit ist Ihr Deutsch schon?

Testen Sie Lesen, Hören und Schreiben im Format des Goethe-Zertifikats, mit echtem Zeitlimit – von A1 bis B2. Danach wissen Sie, welches Niveau Sie realistisch nachweisen können und wie viele Punkte es Ihnen für die Chancenkarte bringt.
Goethe-A1-Modelltest

Häufige Fragen zur Chancenkarte

Welches Deutschniveau brauche ich mindestens für die Chancenkarte?

Auf dem Weg über das Punktesystem brauchen Sie Deutsch mindestens auf Niveau A1. Alternativ genügt Englisch auf Niveau B2. Das ist nur die Eintrittskarte: Punkte gibt es für Deutsch erst ab A2.

Wie viele Punkte bringt mein Deutschzertifikat?

A2 bringt 1 Punkt, B1 bringt 2 Punkte, B2 oder höher bringt 3 Punkte. Insgesamt brauchen Sie mindestens sechs Punkte aus allen Kriterien zusammen.

Zählt Englisch auch als Punkt?

Ja. Englisch auf Niveau C1 bringt 1 Punkt. Englisch B2 kann außerdem die Mindestvoraussetzung A1 Deutsch ersetzen, bringt aber für sich keinen Punkt.

Brauche ich Punkte, wenn mein Abschluss schon anerkannt ist?

Nein. Wenn Ihr Berufs- oder Hochschulabschluss in Deutschland voll anerkannt ist, gelten Sie als Fachkraft und erhalten die Chancenkarte ohne zusätzliche Voraussetzungen. Eine teilweise Anerkennung bringt dagegen 4 Punkte im Punktesystem.

Soll ich für die Chancenkarte Goethe oder telc wählen?

Beide Anbieter bieten alle für die Chancenkarte relevanten Stufen von A1 bis B2 an. Beim Goethe-Zertifikat B1 und B2 können Sie ein Modul einzeln wiederholen, bei telc B1 und B2 brauchen Sie 60 % im schriftlichen und im mündlichen Teil. Prüfen Sie auf der Checkliste Ihrer Auslandsvertretung, welche Zertifikate dort angenommen werden, und wählen Sie dann den Termin, der für Sie am nächsten liegt.

Was kostet die Deutschprüfung?

Die Gebühren legt jedes Prüfungszentrum selbst fest, sie unterscheiden sich von Ort zu Ort. Schauen Sie in die Preisliste des Goethe-Instituts oder des telc-Zentrums, bei dem Sie sich anmelden.

Wie lange gilt die Chancenkarte und darf ich damit arbeiten?

Die erste Karte gilt bis zu einem Jahr. In dieser Zeit dürfen Sie im Durchschnitt höchstens 20 Stunden pro Woche arbeiten und jeweils bis zu zwei Wochen probearbeiten. Finden Sie eine qualifizierte Beschäftigung, ist eine Folge-Chancenkarte für bis zu zwei Jahre möglich.